Der Fall von Jason Arday erschüttert gerade Großbritannien. Mit 37 Jahren war er der jüngste schwarze Professor in der Geschichte der Universität Cambridge. Er war der Star der Diversity-Bewegung. Am Ende stellte er sich als Hochstapler heraus. Nach seinem Suizid will seine Anbetungsgemeinde das nicht zur Kenntnis nehmen und protestiert gegen eine angebliche „rassistische Hexenjagd“, deren Opfer Arday geworden sei.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen der politischen Linken und der Rechten? Ganz einfach. Während die Rechte in der Welt des Realen und des Faktischen lebt, hat sich die Linke kollektiv in die Scheinwelt der Ideologien geflüchtet. Wahr ist für sie selten das, was ist, sondern überwiegend das, was in das normative Konzept ihrer Kopfgeburten passt. Man kann es auch anders sagen. Das linke Weltbild ist meistens kontrafaktisch. In seinem Zentrum steht nicht das, was tatsächlich ist, sondern der Wille zu dem, was sein sollte. Bisher haben die Menschen, für die ihre Fantasien das Reale waren und nicht die materielle Welt, in Irrenhäusern gelebt, heute sind sie Spitzenpolitiker, Universitätsprofessoren und Helden der sogenannten Zivilgesellschaft.
Der akademische Hochstapler und sein tiefer Fall
Der Hochstapler lebt im Schein, nicht im Sein. Wie der Felix Krull von Thomas Mann. Er ist kein vulgärer und primitiver Betrüger. Vielmehr ist er ein empathischer, selbstverliebter Verführer, der seine Umgebung durch äußere Schönheit und magische Eloquenz besticht. Wenn man Mitschnitte von Jason Ardays Vorlesungen sieht, dann weiß man, was Thomas Mann mit seinem Felix Krull gemeint hat. Eine Figur der Moderne, die eine Theaterrolle spielt und die sich anpassungsfähig immer an dem orientiert, was Zuneigung und Erfolg verspricht. Folgt man Vladimir Jankélévitchs grandiosem Werk „Von der Lüge“, so sind Hochstapler zerbrechliche und schwache Figuren. Ihre Rolle ist ein starrer, selbst auferlegter Panzer, in dem eine leidende Seele steckt, die selbst die Bewunderung, die ihr entgegengebracht wird, schmerzt, da sie nicht ihrem Selbstsein gilt, sondern nur dem Rollen-Panzer, in dem sie stecken. Jason Arday hat der erdrückende Panzer seiner Rolle die Luft zum Atmen genommen. Um der Beengung zu entgehen, wählte er nicht das befreiende Geständnis, die öffentliche Abbitte, sondern den Suizid. Eine tragische Figur, über die Dostojewski einen seiner psychologischen Romane hätte schreiben können, wäre er noch am Leben.
Die Geschichten des Jason Arday