Früher war ich immer gerne in Hamburg. Ich habe die Stadt als Fluchtort genutzt, wenn ich es nicht mehr in Österreich ausgehalten habe. In Hamburg hatte ich immer das Gefühl, freier zu sein als in Wien. Das Klima der Stadt war liberal. Niemand drängte sich auf, weder der Nachbar noch die Stadtpolitik.
Soziale Kontrolle und politische Macht waren diskret. Es gab sie, aber sie hielten sich im Hintergrund. Seit in Hamburg die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Grünen „herrschen“ und eine deutschlandweite Hetzkampagne gegen die AfD läuft, meide ich die Hamburger Öffentlichkeit so gut es geht. Denn die von mir geschätzte Coolness der Stadt hat sich in eine hochemotionale politische Überhitzung verwandelt. Und wie in ganz Deutschland scheint auch hier eine ständige Suche nach den Feinden „unsere Demokratie“ im Gange zu sein. Wer ein TV-Gerät hat und es noch dazu regelmäßig benutzt, der ist selber schuld. Denn er wird hineingezogen in einen grauenvollen Meinungskrieg, der total ist, der nur Freund und Feind kennt. Für Indifferenz, Schattierungen, Facetten sind kein Platz mehr. Es geht immer um alles oder nichts. Das ist ganz typisch für den neuen NGO-Totalitarismus, der zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber unaufhaltsam heraufzudämmern scheint. Nationalsozialismus und fast ein halbes Jahrhundert DDR waren den deutschen Eliten offenbar nicht genug. Nachdrücklich scheinen sie das totalitäre Experiment noch ein drittes Mal wagen zu wollen.
Freundeskreise und Familien werden in Streit und Zwietracht gestürzt