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gegen den zeitgeist
Veröffentlicht: 07.01.2026

In der zweiten Republik hat es noch nie eine dermaßen kaputte Regierung gegeben wie die gegenwärtige. 85 % der Österreicher und Österreicherinnen schenken ihr kein Vertrauen mehr. Weder ihre Repräsentanten noch ihre Maßnahmen sind brauchbar. Es dominiert eine fadenscheinige Rhetorik. Schlecht eingeübte Texte, von drittklassigen PR-Beratern verfasst, werden holprig vorgetragen. Währenddessen befindet sich die Welt mitten in einem Epochenumbruch und die österreichische Wirtschaft ist nach wie vor außer Tritt.

In diesen Kontext passt, dass der durchschnittliche Österreicher die meisten Regierungsmitglieder nicht mehr kennt. Das hängt wohl damit zusammen, dass es so viele sind. Und dass sie sich in ihren Amtsräumen aus Angst vor der Bevölkerung verbarrikadiert haben. Zudem handelt es sich um überwiegend uninteressante Menschen, die ohne jede intellektuelle Begabung sind. Ist der Mensch stillos und einfältig, taugt er nicht zum Leitbild oder zum Anführer.

Der politische Superstar Bruno Kreisky

Wenn man einen Blick in die Vergangenheit der österreichischen Innenpolitik wagt, dann findet man exzellente Führungsfiguren, deren Ausstrahlung weit über die Grenzen unseres Landes hinaus wirksam war. Bruno Kreisky war einer davon. Man kann durchaus mit Recht mit vielen seiner Entscheidungen nicht einverstanden sein, aber Charisma hatte der Mann. Trat er an ein Rednerpult, dann hingen die Menschen an seinen Lippen. Warum? Weil er einfach etwas zu sagen hatte und es in einer fesselnden Form vorbrachte. Kreisky war ein rhetorisches Talent sondergleichen. Er beherrschte das sogenannte Sprech-Denken perfekt. Während er seine Reden hielt, kamen ihm Ideen, die er sofort in die passende Form zu bringen verstand. Spontanität kommt gut an. An ihr fehlt es unserer gegenwärtigen Regierung vollkommen. Alle Beteiligten wirken, als hätten sie noch nie in ihrem Leben einen sogenannten Geistesblitz gehabt. Kreisky hätte auch Schauspieler werden können. An der Burg wäre er ähnlich erfolgreich gewesen wie auf den Bühnen der Politik.

Das Phänomen Jörg Haider

Ein zweiter Star der österreichischen Politik war Jörg Haider. Er war einfach ein interessanter Mensch und ebenso wie Kreisky eine Theaterpersönlichkeit, ein Spitzenschauspieler. Deshalb liefen ihm die Menschen hinterher, er war ein Menschenfänger. In seiner Wandlungsfähigkeit war er brillant. Am Morgen sprach er vor Industriellen und begeisterte sie, am Nachmittag mit gleichem Erfolg vor Landwirten und am Abend jubelte ihm die Arbeiterschaft am Viktor-Adler-Markt zu. Zwischen den Auftritten zog er sich immer wieder um. Er beherrschte das Spiel mit verschiedenen Rollen und wusste auch, dass symbolische Formen wie Sprechstil, Bekleidung oder ästhetische Gestaltungselemente für den Erfolg bei den Massen ausschlaggebend sind. Noch heute ist es so, dass die wandlungsfähigsten Menschen auch die erfolgreichsten sind - ob in Politik, Beruf oder Privatleben.

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