Zum Glück heißt Weißmann wie er heißt. Denn so weiß jeder augenblicklich, worum es beim Autodafé rund um den Ex-ORF-Chef geht. Um die inquisitorische Aburteilung und Hinrichtung eines „alten weißen Mannes“.
Die Schuldfrage ist egal. Es zählt nur das lustvolle Zelebrieren des Spektakels der scharfrichterlichen Aburteilung des Trägers eines ungeliebten Geschlechts. Der „alte weiße Mann“ ist heute der bevorzugte Watschenmann des woken Mobs. Wann und wo immer die Woken können, fallen sie als Gesinnungshorde über ihn her. Und es wird mit ihm verfahren wie einst im Mittelalter mit unschuldigen Frauen, die man des Paktes mit dem Teufel bezichtigt hat. Er wird ausgelöscht. Das Mittelalter ist kein schlechter Vergleich, wenn wir über unsere Gegenwart sprechen, denn sie ist nur äußerlich dem Mittelalter fern. Was Werte und Einstellungen betrifft, ist Europa längst weit hinter die Aufklärung zurückgefallen. „Sapere aude“, der Leitspruch Kants, ist mausetot. An seine Stelle ist die Maxime „Mein Wille geschehe, auch wenn die Welt davon untergeht“ getreten. Die Relativität des eigenen Standpunktes wird nicht mehr bedacht. Wie in Erz gegossen werden Richtig und Falsch einander gegenübergestellt und das rituell zum Falschen Erklärte auf den immer brennenden Scheiterhaufen eines kleinbürgerlichen Moralismus geworfen. Zuletzt wurde ein Teilnehmer der Palästina-Flotte öffentlich abgeurteilt. Dem Brasilianer wurde vorgeworfen, während der Seefahrt mit mehreren Frauen Sex gehabt zu haben. Selbst als die Frauen beteuerten, für sie sei alles, was passiert ist, in Ordnung gewesen, ging die Hetzjagd weiter. Offenbar wird jetzt schon der einvernehmliche Sex zum Missbrauch, wenn ein „weißer Mann“ daran mitwirkt.
Weißmann am Marterpfahl des woken Tribalismus