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gegen den zeitgeist
Veröffentlicht: 16.02.2026

Bis heute habe ich gedacht, dass mich nichts mehr erschüttern kann. Nun wurde ich eines Besseren belehrt. Im Kontext der Diskussion über die Wehrdienstverlängerung hat sich ein ehemaliger Verteidigungsminister gegen die Volksbefragung ausgesprochen, die von Bundeskanzler Stocker in Aussicht gestellt wurde. Seine Begründung war, dass das Volk ohnehin nur emotional und damit nicht sachgerecht entscheiden würde.

Emotional

 

Mit dieser Begründung könnte man aber auch grundsätzlich gegen das allgemeine und gleiche Wahlrecht argumentieren, denn auch der turnusmäßige Urnengang ist kein Garant für rationale Wahlakte. Vielmehr gehen namhafte Psychologen, darunter sogar Nobelpreisträger, davon aus, dass Menschen grundsätzlich nicht vernünftig entscheiden, sondern - ohne es zu wissen - von ihrem Unbewussten gesteuert werden. Mit dieser neuesten Erkenntnis steht aber dann auch in Frage, ob der grundvernünftige ehemalige Verteidigungsminister Starlinger himself rational über die Verlängerung des Präsenzdienstes entschieden hat. Möglicherweise glaubt er es nur und ist tatsächlich, wie es den meisten Menschen immer wieder geschieht, zum Opfer des unbewussten Teiles seiner Psyche geworden. 

Endet der Kulturpessimismus im Faschismus?

Das pessimistische Menschenbild war in unserer nahen Vergangenheit immer eine wichtige Grundlage für das Entstehen von Totalitarismen aller Art, man muss also gar nicht auf den früharistokratischen Obermenschenfeind Platon zurückgreifen, der das Volk für zu blöd für die Demokratie gehalten hat und deshalb die absolute Herrschaft eines Philosophenkönigs empfahl. Platon hat aber auch heute noch viele Anhänger, wenn es um die Abwehr des Einflusses der Volksdummheit auf die Demokratie geht. So plädiert der amerikanische "Demokratieforscher" Jason Brennan überhaupt dafür, dem Volk das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu entziehen, weil dieses zur Herrschaft der Unwissenden führen würde. Geht es nach ihm, müsste sich jeder, der an Wahlen teilnehmen will, einer Eignungsprüfung unterziehen. Nur nach bestandener Prüfung, würde dem Bürger dann das Wahlrecht erteilt. Mit der Begründung der Volksdummheit wird auch immer wieder gegen die direkte Demokratie argumentiert. Das Volk sei zu ungebildet und zu "emotional", um ihm wichtige Entscheidungen zu überlassen. Warum die direkte Demokratie in der Schweiz so gut funktioniert, und das schon seit mehr als hundert Jahren, muss dann wohl einer jener seltsamen Launen der Geschichte geschuldet sein, die dem überlegenen Geist der Bildungseliten nicht rational nachvollziehbar sind.

Wir alle entscheiden emotional. Auch die überheblichen Vernunftmenschen